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Ulrich Petschow im ZDF-Interview: Mit gemeinwohlorientiertem Wirtschaften das Klima schützen?

Im Interview mit dem ZDF zeigt sich der IÖW-Forscher Ulrich Petschow skeptisch, ob Wirtschaftswachstum mit einer CO2-Reduktion einhergehen kann. Kohlendioxidemissionen mit einem Preis zu versehen sei richtig, aber für eine klimafreundliche Zukunft müssten wir die Grundlagen unseres Wirtschaftens überdenken.

Rad statt Auto, kein Plastik, kein Fleisch: Konsumverzicht scheint derzeit en vogue. Das sei aber nicht nur eine Lifestyle-Debatte, sondern „ein wichtiges politisches Zeichen", sagt Ulrich Petschow im Interview mit dem ZDF. Die Klimakrise erfordere ein gesellschaftliches Umdenken. Sowohl die Bürger und Verbraucher als auch die Unternehmen und der Staat müssen aktiv werden und ihre Handlungsmöglichkeiten nutzen. Gleichwohl kommt dem Staat eine besondere Rolle zu.

Als wichtiger Baustein einer effektiveren Klimapolitik steht derzeit vor allem die CO2-Steuer im Fokus der Debatte. Beispiele anderer Länder, die bereits eine CO2-Steuer eingeführt haben, zeigen laut Petschow, dass die Steuer zwar zu einer gewissen Entkopplung der CO2-Emissionen vom Wirtschaftswachstum geführt habe. Aber es sei offen, ob eine derart große Emissionsreduktion, wie sie gemäß den Pariser Klimazielen benötigt wird, mit weiterem Wirtschaftswachstum vereinbar ist.

Erforderlich sei daher die Entwicklung von Postwachstumsstrategien. Petschow empfiehlt, neue Wege auszuprobieren. Alternative Wirtschafts- und Produktionsformen wie Genossenschaften, Fab Labs und andere können bei geeigneten Rahmenbedingungen Modelle dafür sein, wie eine klimafreundliche Zukunft aussehen könnte, die das Gemeinwohl fördere, aber nicht auf Wirtschaftswachstum angewiesen sei.

2018 erschien die Studie „Gesellschaftliches Wohlergehen innerhalb planetarer Grenzen. Der Ansatz einer vorsorgeorientierten Postwachstumsposition“. In der Studie für das Umweltbundesamt empfiehlt Petschow gemeinsam mit weiteren Wissenschaftler/innen vom IÖW, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und dem Wuppertal Institut, Umweltpolitik nicht mehr unter Wachstumsvorbehalt zu stellen und gesellschaftlich wichtige Institutionen unabhängig vom Wirtschaftswachstum zu gestalten.

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Zum Interview mit dem ZDF

Zur Sendung „Grüne Geschäfte“ - makro vom 30. August 2019

Die Studie:

Petschow, Ulrich; aus dem Moore, Nils; Pissarskoi, Eugen; Korfhage, Thorben; Lange, Steffen; Schoofs, Annekathrin; Hofmann, David; mit Beiträgen von Hermann Ott (2018): Gesellschaftliches Wohlergehen innerhalb planetarer Grenzen: Der Ansatz einer vorsorgeorientierten Postwachstumsposition. UBA-Texte 89/2018

Die Studie mit Zusammenfassung auf Deutsch und Englisch steht online zum Download bereit: www.umweltbundesamt.de/publikationen/vorsorgeorientierte-postwachstumsposition

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